Rundgang

Mit rund 850 Objekten in 17 Räumen bietet das Museum Tegenseer Tal einen Einblick in Geschichte und Kultur einer der traditionsreichsten Regionen Altbayerns. Lassen Sie sich vom Tegernseer Kirchenhistoriker Dr. Roland Götz, einem der ehrenamtlichen Mitarbeitern des Museums, mitnehmen auf einen Rundgang durch das Haus und zu ausgewählten Schätzen!

1. Das Museum Tegernseer Tal

1903 - hundert Jahre nach der Aufhebung des Klosters Tegernsee - beschloss eine Gruppe Tegernseer Bürger die Gründung eines Historischen Vereins für das Tegernseer Tal. Am 1. Januar 1904 trat der „Altertums-Gauverein Tegernsee“ mit 70 Mitgliedern offiziell ins Leben. Sein Ziel war die Sammlung und Erhaltung von „Altertümern“ und die Verbreitung heimatlichen Geschichtswissens. Noch im selben Jahr konnte die erste Ausstellung im Tegernseer Rathaus eröffnet werden. In der Folgezeit hatte das „Heimatmuseum“ verschiedene Standorte. Seit 1999 befindet es sich unter dem Namen „Museum Tegernseer Tal“ im Alten Pfarrhof von Tegernsee.

 

2. Naturgeschichte des Tegernseer Tals

Das Tegernseer Tal ist ein eiszeitliches Gletscherbecken am Nordrand der Kalkalpen. Vor ca. 12 000 Jahren hinterließ der zurückweichende Tegernsee-Gletscher ein ausgeschürftes Becken. Der Endmoränenwall im Norden staute die Gebirgsflüsse zu einem See. Die Zuflüsse aus den Bergen füllten das Becken stetig mit Geröll. Dadurch erhielt der Tegernsee seine heutige Gestalt mit einer Fläche von ca. 9 km2 und einer Tiefe von bis zu 72 m. Auf den Uferflächen entstanden im Mittelalter die Tal-Orte. 

Mit Marmor, Erdöl und Heilwasser hat das Tegernseer Tal geologische Besonderheiten aufzuweisen, die für seine Geschichte von erheblicher Bedeutung waren.

 

3. Kloster Tegernsee

Mit der Gründung des Benediktinerklosters Tegernsee in der Mitte des 8.Jahrhunderts beginnt die historisch greifbare Geschichte des Tegernseer Tals. Über ein Jahrtausend war das Kloster sein geistlicher, kultureller und herrschaftlicher Mittelpunkt; das ganze Tal war klösterlicher Besitz und unterstand seiner Gerichtsherrschaft. Zeit seines Bestehens war das Kloster eine bedeutende Stätte von Kunst und Wissenschaft im süddeutschen Raum.

Nach der Aufhebung des Klosters durch den Staat in der Säkularisation von 1803 wurde die barocke Klosteranlage teilweise abgebrochen, zahlreiche Kulturgüter wurden zerstreut. Einige von ihnen konnten im Museum wieder zusammengeführt werden.

 
 

4. Die Wittelsbacher am Tegernsee

1817 kaufte der bayerische König Max I. Joseph das ehemalige Klostergebäude und ließ es zur Sommerresidenz umgestalten. Damit begann eine neue Epoche in der Geschichte des Tals. Das Kloster wurde zum Schloss; weitere zuvor klösterliche Besitzungen (Gut Kaltenbrunn, Bauer in der Au, Wildbad Kreuth, Marmorbruch, Almen ...) wurden hinzugekauft.

Der Hof trat auch als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum die Nachfolge des Klosters an. Bald zog die königliche Sommerresidenz prominente Besucher und zahlreiche Sommerfrischler ins Tal. Die Tegernseer Besitzungen zählten zum Wittelsbacher Privatvermögen und werden bis heute in der Familie weitervererbt.

 

5. Künstler am Tegernsee

Der königliche Hof und die Schönheit der Landschaft zogen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler ins Tegernseer Tal. Viele verbrachten hier die Sommermonate, nicht wenige ließen sich ganz nieder – vor allem Maler, aber auch Schriftsteller, Schauspieler und Musiker. Viele von ihnen haben das Tal und seine Menschen in ihren Werken dargestellt.

 

6. Bäuerliches Leben

Das Tegernseer Tal war über Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägt. Die klimatischen Verhältnisse erlaubten dabei fast nur Milchviehhaltung. Von der Urbarmachung im Mittelalter an befanden sich alle Anwesen im Obereigentum des Klosters und wurden von ihm zur Bewirtschaftung verliehen. Nach der Säkularisation 1803 zog der bayerische Staat die Abgaben ein, doch war nun ihre Ablösung möglich. Dadurch wurden die Höfe unbeschränktes Eigentum der Bauern.

Die Bedeutung der Landwirtschaft als Erwerbszweig ist im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen, doch leben bis heute im Tal Familien, die ihr Anwesen schon seit Jahrhunderten bewirtschaften.

Einige Bereiche des Alltagslebens im Tegernseer Tal werden im Museum durch Gegenstände und Dokumente vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert illustriert. Vielfach können die Objekte mit namentlich bekannten Personen in Verbindung gebracht werden und werfen damit Schlaglichter auf individuelle Lebensgeschichten.

 

8. Der „Hoiner“ in Tegernsee

Der Hoinerhof  am Nordabhang des Kleintegernseer Bergs ist seit dem 15. Jahrhundert als Klosterlehen bezeugt. Er war mit 86 Tagwerk (ca. 29 Hektar) Grund ein eher kleines Anwesen.

Alle ausgestellten Gegenstände stammen aus dem Besitz der Familie Raab - Maier - Berghammer, die in fünf Generationen den Hof von 1797 bis 1967 bewirtschaftete.

 

9. Bäuerliche Möbel vom Saliterer-Hof

Als „Kammerwagen“ wird die Ausstattung an Möbeln, Wäsche, Hausrat und Vieh bezeichnet, die eine Braut zur Hochzeit von ihren Eltern als Mitgift erhält. Diese Ausstattung wurde am Hochzeitstag auf einen Wagen geladen und zum Haus des Bräutigams gefahren. Der Kammerwagen der Familie Gschwendtner-Stadler vom Jahr 1809 umfasst eines der qualitätvollsten Ensembles repräsentativer Möbel, die in Oberbayern erhalten sind. 

Die Möbel erlangten schon früh Berühmtheit: Sie wurden mehrfach auf Ausstellungen gezeigt. Die Verbreitung von Abbildungen machte sie zum Vorbild für die Produktion von „volkstümlichen“ Möbeln bis zur Gegenwart.

 

10. Jäger und Schützen

Jagd und Schützenwesen haben im Tegernseer Tal eine lange Tradition. Bis zur Säkularisation 1803 lag das Jagdrecht beim Kloster und wurde durch dessen Jäger ausgeübt. Seitdem ist die Jagd in den Händen von Staat, Gemeinden und Jagdpächtern.

Die Schützenvereinigungen haben ihren Ursprung in den alten Landfahnen, in denen schon im späten Mittelalter Freiwillige bei Gefahr die Landesgrenzen schützten.

Ihre Tradition lebt fort in den Gebirgsschützenkompanien und den Schützengesellschaften.

 

11. Handwerk im Tegernseer Tal

Neben der Landwirtschaft war das Handwerk bis ins 20. Jahrhundert Haupterwerbsquelle für die Bevölkerung des Tals. Oft wurden Landwirtschaft und Handwerk auch nebeneinander betrieben. Besonderes Gewicht hatte dabei stets die Holzbearbeitung.

Bis zur Säkularisation (1803) befriedigten die klösterlichen Werkstätten und die Handwerker in den Tal-Orten die Nachfrage des Klosters und der bäuerlichen Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert kamen der königliche Hof, das Bürgertum und der Fremdenverkehr als Abnehmer hinzu.

Größtes handwerkliches Ausstellungsobjekt des Museums ist der beim Umbau des Hauses 1825 unter Leitung des Zimmererpoliers Michael Tölzer geschaffene Dachstuhl.

 

12. Vom 19. ins 20. Jahrhundert

Seit dem 19. Jahrhundert hat vor allem der Fremdenverkehr das Tegernseer Tal immer stärker geprägt und zu einschneidenden Veränderungen im ehemals bäuerlichen Tal geführt. Ortsbild, Erwerbs- und Bevölkerungsstruktur wandelten sich. Beginnend mit der Sommerresidenz der Wittelsbacher wurde das Tegernseer Tal eines der bekanntesten Erholungsgebiete Deutschlands. 

Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen hierher, viele siedelten sich an. Die Feriensitze einiger „Größen“ des „Dritten Reiches“ brachten dem Tegernsee den Titel „Lago di Bonzo“ ein.

Von Kampfhandlungen und Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs blieb das Tal weitgehend verschont. So konnte 1946 das 1200 Jahr-Jubiläum der Klostergründung gefeiert werden. 1996 fand in weit größerem Rahmen die 1250 Jahr-Feier statt, bei der in vielfältiger Weise an die Geschichte des Tals erinnert wurde.

 

13. Jüngere Geschichte und Ausklang